Reiner Füllmich, politischer Gefangener #2 Kämpferisch vor Gericht
Von seinen früheren Partnern im Corona-Ausschuss verfolgt und der Untreue beschuldigt, sitzt Reiner Füllmich[1] seit sechs Monaten in Untersuchungshaft. Sein Prozess begann am 31. Januar 2024. Unsere Deutschland-Korrespondentin Kerstin Heusinger hat vier entscheidende Verhandlungstage verfolgt – 27. Februar, 12. März, 2. und 3. April – in einem Prozess, in dem sich dunkle politische Motive mit persönlichen Abrechnungen verbündet zu haben scheinen.
27. Februar 2024, Vernehmung von Justus Hoffmann

7:30 Uhr – Es ist noch dunkel. Ich warte vor dem Landgericht Göttingen. Viviane Fischer[2] in auffälliger Aufmachung reiht sich in die Warteschlange ein. Wir wechseln ein paar Worte. Sie versucht, Mitgefühl für Reiners Lage zu zeigen, und empört sich darüber, dass er in Handschellen in den Gerichtssaal geführt wird. Sie will sich dagegen wehren. Ich warte ihre Vernehmung ab, bevor ich mir ein genaues Bild von ihrer Position mache.
8:50 Uhr – Ende des langen Wartens in eisiger Kälte; die Besucher dürfen eintreten, nach einer Sicherheitskontrolle wie am Flughafen. Nur Papier und Stift sind im Gerichtssaal erlaubt. Der Saal ist klein. Man sitzt nur wenige Meter von den Beteiligten entfernt. Ein neuer Strafverteidiger, Rechtsanwalt Christof Miseré, unterstützt nun Rechtsanwältin Katja Wörmer bei der Verteidigung von Reiner Füllmich.
10:10 Uhr – Reiner Füllmich wird von zwei Justizbeamten in Handschellen hereingeführt. Gut gekleidet, aufrecht. Er ist nur ein wenig blass. Ich bin erleichtert zu sehen, dass er sein Charisma und sein gewohntes souveränes Lächeln behalten hat.
Ein auffälliger Kontrast zum ersten Kläger, Justus Hoffmann[3], 37 Jahre alt, bärtig, zerzauste halblange Haare, Lederjacke im „schäbigen Schick“, Sweatshirt mit Aufdruck und eine Jeans, die das letzte Drittel seines Hinterns freilässt. Er eilt zum Zeugentisch, ohne einen Blick zur Seite. Wenn er auf seinem Stuhl herumrutscht, bietet sich den Zuschauern der Anblick seiner Gesäßfalte. „So stellt man sich einen Doktor der Rechte vor?“, wundert sich meine Sitznachbarin.
Die zweite Klägerin, Antonia Fischer[4], setzt sich neben Viviane Fischer (die beiden sind nicht verwandt), ohne sie eines Blickes zu würdigen.
10:15 Uhr – Das Gericht, bestehend aus drei Berufsrichtern und zwei Schöffen, tritt ein. Der Saal erhebt sich.
10:20 Uhr – Die Vernehmung von Justus Hoffmann wird abwechselnd vom Vorsitzenden Richter, den Verteidigern und von Reiner Füllmich selbst geführt. Am Vortag war Hoffmanns Aussage von offensichtlichen Widersprüchen durchzogen, erstaunlich für einen Anwalt. Im Zeugenstand hatte er sogar Viviane Fischer verbal angegriffen, was den Richter und den Staatsanwalt verärgerte. Dabei stützt sich das Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Göttingen einzig auf die Anzeige von Justus Hoffmann, Antonia Fischer und Marcel Templin (Kollegen in derselben Anwaltskanzlei). Laut Reiner „scheint diese Anzeige von einem Kind geschrieben worden zu sein“. Wenn man Justus Hoffmann zuhört, versteht man, warum.
10:30 Uhr – J. Hoffmann beklagt sich über die Verwaltung der Gelder des Corona-Ausschusses. Reiner erklärt: „Wir glaubten, dass das Geld auf dem Bankkonto ernsthaft gefährdet war. Viviane Fischer und ich haben beschlossen, Geld von diesem Konto abzuheben, um es vor einer Beschlagnahme zu bewahren.“
10:35 Uhr – Ein Teil des Geldes des Corona-Ausschusses wurde in Gold angelegt, der andere Reiner Füllmich und Viviane Fischer als Privatdarlehen überlassen. Reiners Darlehen belief sich auf 700.000 € und sollte durch den Verkauf seines Hauses zurückgezahlt werden. Doch die Rückzahlung wurde verhindert, weil ein Betrag von 1,15 Millionen (Darlehen + angebliche Zinsen über 4 Jahre) gepfändet und vom Notar direkt auf das Konto von Marcel Templin überwiesen wurde, einem Kollegen von J. Hoffmann und A. Fischer (Reiner Füllmich, politischer Gefangener #1 Ein abgekartetes Spiel).
10:45 Uhr – J. Hoffmann behauptet, nicht zu wissen, wie Templin und der Notar diese Pfändung beim Verkauf von Reiners Haus ausgehandelt haben. Dabei war Hoffmann bei ihrem Termin anwesend.
10:55 Uhr – Knalleffekt, Reiner konfrontiert Justus Hoffmann mit einer E-Mail, in der dieser geschrieben hatte: „Templin ist ein guter Verhandler“, gefolgt von einem zwinkernden Emoji.
11:05 Uhr – Hoffmanns Antworten bleiben ausweichend. Hochgezogene Schultern, krummer Rücken, nervöse Füße unter dem Tisch: Er gibt das Bild eines rebellischen Teenagers mit „Leck-mich“-Haltung ab. Er behauptet, sich nicht an die Gespräche mit Templin zu erinnern. Er wird so unzusammenhängend, dass Rechtsanwältin Katja Wörmer ihn fragt, ob er Medikamente nimmt. Er verweigert die Antwort.
12:00 Uhr – Mittagspause.
13:10 Uhr – Reiner setzt die Befragung Hoffmanns fort. Dieser behauptet, Reiner habe vorgehabt, Viviane aus dem Ausschuss zu „werfen“, und sie habe bei Reiners Verhaftung „gejubelt“. Die Spannung zwischen den beiden steigt. Zeitweise habe ich den Eindruck, einem privaten Streit beizuwohnen. Der Richter erinnert immer wieder an die Regeln des Gerichts und ermahnt den Angeklagten, sich an die Fragen zu halten. Rechtsanwältin Wörmer glänzt durch ihre Ruhe und ihre Sachfragen.
Die Konfrontation eskaliert
13:40 Uhr – Die Konfrontation zwischen Hoffmann und Füllmich eskaliert so sehr, dass der Richter die Sitzung für 5 Minuten unterbricht und Justizbeamte zwischen Angeklagten und Kläger stellt. Ich bin fassungslos über diese theatralische, fast karikaturhafte Seite des Prozesses.
14:00 Uhr – Es stellt sich heraus, dass Hoffmann ab 2023 mit Reiner in Kontakt stand, nicht um eine Lösung für ihren Konflikt zu suchen, sondern um zu seiner Verhaftung beizutragen. E-Mails zeigen, dass die Kläger die Staatsanwaltschaft mehr als ein Jahr lang heimlich informierten und Hinweise darauf lieferten, wo und wann Reiner festgenommen werden könnte. Sie versuchten, ihn in eine Falle zu locken, indem sie ihn zu Veranstaltungen einluden. Denn eine Verhaftung Reiners, der in Mexiko lebte, war ohne internationalen Haftbefehl rechtlich nicht möglich. Reiner: „Kurz gesagt, eine Entführung!“
14:50 Uhr – Ende der Vernehmung von Justus Hoffmann. Er verlässt sofort den Saal, zusammen mit Antonia Fischer.
15:00 Uhr – Viviane Fischer wird in den Zeugenstand gerufen. Obwohl sie als Belastungszeugin geladen ist, überrascht Viviane alle: Sie stellt ihre Zusammenarbeit mit Reiner positiv dar und hebt die bemerkenswerte Arbeit hervor, die er geleistet hat.
15:15 Uhr – Viviane fährt fort: Hoffmann habe zu der Zeit, als er im Corona-Ausschuss war, verlangt, für jedes Dokument bezahlt zu werden, in dem sein Name auftauchte, zum Beispiel in den von Viviane verfassten Protokollen. Er soll gesagt haben: „Nichts, was meinen Namen trägt, darf kostenlos verteilt werden“.
15:30 Uhr – Die Sitzung des Tages wird geschlossen; die widersprüchliche Haltung Vivianes bleibt spannend.
12. März, Vernehmung von Viviane Fischer
7:50 Uhr – Viviane Fischer wartet vor dem Gericht, abseits der Beobachter, die Reiner Füllmich offen unterstützen.
9:10 Uhr – Reiner Füllmich wird in Handschellen hereingeführt. Er wirkt noch blasser als beim letzten Mal, doch seine Energie ist ungebrochen. Justus Hoffmann und Antonia Fischer sind abwesend, wie schon bei den drei letzten Verhandlungstagen.
9:45 Uhr – Verfügte Viviane Fischer über die liquiden Mittel, um ihr Darlehen von 100.000 € an den Corona-Ausschuss zurückzuzahlen? Das Gericht verliest eine E-Mail von Vivianes Anwalt: „Es trifft zu, dass das Konto von Viviane Fischer nicht immer über liquide Mittel in Höhe des geforderten Betrags verfügte“. In einem Begleitschreiben bürgte Vivianes Ehemann jedoch für die Zahlungsfähigkeit seiner Frau, dank verschiedener Anlagen und Wertpapiere.
10:15 Uhr – Reiner wendet sich an Viviane: „Warum hast du dann geschrieben, dass du keinen Cent mehr hast?“. Er empört sich: „Hat der Staatsanwalt diese Bürgschaft überhaupt überprüft?“
10:20 Uhr – Reiner: „Die Ermittlungen gegen Viviane Fischer wurden also auf eine bloße Erklärung ihres Mannes hin eingestellt. Ohne Überprüfung. Deshalb frage ich: Gab es eine Absprache zwischen dem Staatsanwalt und dem Anwalt von Viviane Fischer?“
10:30 Uhr – Rechtsanwältin Katja Wörmer: „Warum haben Sie Geld geliehen, wenn Sie die nötigen liquiden Mittel hatten?“ Viviane lässt sich nicht aus der Ruhe bringen und antwortet: „Es steht mir frei, meine Geschäfte so zu finanzieren, wie ich will“.
10:55 Uhr – Ein Teil der Gelder des Corona-Ausschusses wurde in Form von Gold gesichert. Laut Reiner hat sich Viviane „mit Händen und Füßen dagegen gewehrt“, dass das Gold wieder in Bargeld umgewandelt wird, selbst als dem Corona-Ausschuss die Liquidität ausging. Vivianes Ausrede: „Wir wussten nicht, wie wir an das Geld kommen sollten“. Viviane wollte nicht, dass das Geld aus dem Goldverkauf wieder über das Konto von Reiner läuft, der das Gold gekauft hatte. Eine verfahrene Situation.
Eine Verleumdungskampagne
11:05 Uhr – Reiner konfrontiert Viviane: „Warum hast du diese Verleumdungskampagne gegen mich losgetreten?“ Viviane bestreitet das. Reiner fragt sie, ob sie wirklich geglaubt habe, er würde „mit diesem Gold verschwinden?“ Sie weicht aus. Er bleibt hartnäckig. Sie argumentiert, die von ihm geliehenen 700.000 € seien nicht zurückgekommen. Reiner: „Hast du wirklich geglaubt, dass ich, das Gesicht des Corona-Ausschusses, international bekannt, mich mit dem Geld davonmachen würde?“
11:10 Uhr – Der Vorsitzende Richter ruft Reiner zur Ordnung: keine Provokationen, nur Fragen. Füllmich entschuldigt sich und verweist auf den Druck durch seine Haft in Rosdorf: Ein Häftling hatte sich dort kürzlich das Leben genommen, weil er die besonders harten Bedingungen in diesem Hochsicherheitsgefängnis nicht mehr ertrug.
11:30 Uhr – Reiner fragt Viviane, warum sie ihn verraten hat: Am 2. September 2022 ließ sie ihn glauben, die Sitzung des Corona-Ausschusses sei abgesagt, und verkündete dann in dieser öffentlich übertragenen Sitzung Reiners Ausscheiden! Danach begann das „Füllmich-Bashing“ durch Viviane, J. Hoffmann, A. Fischer und M. Templin, wobei sie insbesondere die Reichweite des Corona-Ausschusses nutzten. Viviane versucht sich mit den finanziellen Meinungsverschiedenheiten zu rechtfertigen.
Vivianes Verrat
11:50 Uhr – Der Austausch zwischen Reiner und Viviane wird technisch: Es geht um die erste Rechtsform des Corona-Ausschusses mit vier Partnern (Reiner, Viviane, A. Fischer, J. Hoffmann) und die zweite, eine Stiftung, die zu 50/50 zwischen Reiner und Viviane aufgeteilt ist. Welcher Gesellschaft sollten die Spenden an den Corona-Ausschuss zustehen? Der ersten, deren Satzung nie rechtlich eingetragen wurde, die aber die Spenden erhielt, oder der später von den beiden aktiven Mitgliedern gegründeten?
12:10 Uhr – Mittagspause.
13:20 Uhr – Reiners Verteidigung möchte ein Video über Viviane, ihre eheliche Situation und die Bürgschaft vorführen. Viviane reagiert sehr emotional, sie schreit fast: Das ist privat. Der Richter hält das Video für zulässig, doch Öffentlichkeit und Presse werden gebeten, den Saal zu verlassen. Das Video wird angesehen und Viviane unter Ausschluss der Öffentlichkeit befragt.
13:45 Uhr – Wiederaufnahme der öffentlichen Vernehmung Vivianes. Rechtsanwältin Katja Wörmer fragt nach Vivianes Verhältnis zu den beiden Klägern. Viviane sagt, J. Hoffmann und A. Fischer hätten gedroht, auch gegen sie Anzeige zu erstatten. Erst beim Prozess habe sie sie wiedergesehen. Sie wollten ihren Streit beilegen. Sie antwortete ihnen: „Nur wenn ihr und Templin mir beweist, dass alles, was ihr getan habt, legal ist“.
14:20 Uhr – Rechtsanwältin Wörmer fragt Viviane, ob sie J. Hoffmann und A. Fischer schützt. Viviane: „Nein, ich will einfach neutral bleiben“. Reiner fragt sie: „Haben Justus Hoffmann und Antonia Fischer außer dem Geld irgendein anderes Interesse am Corona-Ausschuss?“
14:30 Uhr – Reiner erinnert daran, dass er nach seinem Ausschluss aus dem Corona-Ausschuss das ICIC (International Crimes Investigative Committee) gegründet hat, um seine Arbeit fortzusetzen. „Haben J. Hoffmann und A. Fischer in den letzten zwei Jahren auch nur die geringste Ermittlungsarbeit geleistet?“ „Nein“, räumt Viviane ein, „aber ich bin nicht bereit, jemanden vorschnell zu verurteilen“. Außer, wenn es um Reiner Füllmich geht?
14:40 Uhr - Rechtsanwältin Wörmer fragt Viviane, warum sie will, dass alle Spenden der ersten Gesellschaft des Corona-Ausschusses zugeordnet werden, da J. Hoffmann und A. Fischer im Ausschuss praktisch nichts getan haben. Rechtsanwältin Wörmer: „Noch einmal: Warum schonen Sie sie?“
Der Verrat von Justus Hoffmann und Antonia Fischer
14:45 Uhr - Man erfährt, dass J. Hoffmann und A. Fischer, inzwischen alleinige Geschäftsführer der ersten Gesellschaft, Reiner vollständig daraus verdrängt und anschließend Viviane ihren Status als Geschäftsführerin entzogen haben, wobei sie ihr nur ein Mitspracherecht versprachen. Rechtsanwältin Wörmer zu Viviane: „Aber Sie werden bei jeder Entscheidung überstimmt. J. Hoffmann und A. Fischer könnten die Arbeit des Corona-Ausschusses umlenken. Wie soll sichergestellt werden, dass sie die Spenden für eine Ermittlungsarbeit verwenden, für die sie kein Interesse mehr zeigen?“ Viviane weicht aus.
15:15 Uhr – Reiner empört sich darüber, dass der Staatsanwalt das Ermittlungsverfahren gegen Viviane eingestellt hat, ohne nachzuhaken, während „mein Leben mit der Lupe durchsucht wurde“: Finanzen, Computer, Telefon... Reiner bleibt hartnäckig: „Haben Sie die Bürgschaft des Ehemanns überprüft? Jetzt wissen Sie es doch, oder? Über Viviane und ihren Mann.“ Die einzige Antwort des verlegenen Staatsanwalts: eine Grimasse. Er ist jung und wirkt unerfahren. Er weicht Reiners direkten Fragen aus.
15:25 Uhr – Ende der Vernehmung von Viviane Fischer. Das Gericht hat noch nicht entschieden, ob sie in diesem Verfahren als Nebenklägerin zugelassen wird.
15:30 Uhr – Füllmich darf mit einer Erklärung zu seiner Lage und der seiner Frau schließen, die der Beihilfe beschuldigt wird und deren Bankkonto gesperrt ist. Die Ermittlungen hätten jedoch gezeigt, dass sie nicht in die Sache verwickelt war. Reiner kann nur zweimal im Monat mit ihr kommunizieren, per Skype und unter Aufsicht. Er beantragt, das Verfahren gegen sie endgültig einzustellen.
15:35 Uhr – Reiner spricht über die Bedingungen seiner Untersuchungshaft, die seit sechs Monaten andauert. Er kann weder die Unterlagen für seine Verteidigung einsehen noch auf seine E-Mails zugreifen. Außerdem ist die Stimmung im Gefängnis sehr angespannt, gewaltsame Auseinandersetzungen sind häufig. Er beantragt, mit elektronischer Fußfessel freigelassen zu werden. Er habe nicht vor zu fliehen, denn er wolle, dass in dieser Angelegenheit die ganze Wahrheit ans Licht kommt.
2. April, unerwartete Enthüllungen
9:00 Uhr – J. Hoffmann und A. Fischer sitzen am Tisch der Kläger. Heute nimmt Viviane Fischer im Publikum Platz. Die Verhandlungen finden in einem größeren Saal des Göttinger Gerichts statt; das Publikum ist hinter einer Glasscheibe untergebracht. Wir sind fünf Vertreter alternativer Medien.
9:25 Uhr – Reiner kommt herein. Trotz Handschellen trägt er einen Stapel Akten.
9:30 Uhr – Der Vorsitzende Richter eröffnet die Sitzung und kündigt zwei Anträge an.
Antrag 1: Viviane Fischer beantragt zum zweiten Mal, sich der Anzeige von J. Hoffmann, A. Fischer und M. Templin anzuschließen. Ihr Antrag wird laut verlesen; man erfährt, dass sie Reiner unter anderem verdächtigt, sich mit Marcel Templin abgesprochen zu haben, um das Geld aus dem Verkauf seines eigenen Hauses abzuzweigen. Das erscheint so absurd, dass die Zuschauer Viviane schockierte Blicke zuwerfen.
9:35 Uhr – Indem sie daran erinnert, dass J. Hoffmann und A. Fischer bei der Unterzeichnung anwesend waren, zeigt Rechtsanwältin Wörmer die Absurdität von Vivianes Verdacht auf. Sie fügt hinzu, dass Viviane Reiner aus dem Vorstand ausgeschlossen und ihm rechtswidrig alle Zugänge zu den Konten und Postfächern der Gesellschaft gesperrt hat, an der sie zu 50/50 beteiligt waren.
9:40 Uhr – Reiner wirft J. Hoffmann und A. Fischer vor, umgedreht oder sogar eingeschleust worden zu sein, um den Corona-Ausschuss zu zerstören.
9:45 Uhr – Antrag 2: Justus Hoffmann beantragt den Ausschluss der Öffentlichkeit für die Fragen zu seiner psychischen Gesundheit. Er meint, dieses Thema solle sogar aus der Akte entfernt werden.
9:50 Uhr – Die Richter ziehen sich zur Beratung über die beiden Anträge zurück. Bei einer Unterbrechung von mehr als 5 Minuten darf Reiner nicht im Saal bleiben. Er wird dann in Handschellen in eine Zelle im Untergeschoss gebracht, genannt „der Keller“. Dieses Vorgehen löst Empörung im Publikum aus.
10:10 Uhr – Reiner wird zurückgebracht. 1. Vivianes Antrag wird abgelehnt. Das Publikum zeigt seine Zufriedenheit. 2. Die Beteiligten müssen die Richter vorher informieren, bevor sie die psychische Gesundheit von J. Hoffmann ansprechen.
10:15 Uhr – Reiners zweiter Anwalt, Christof Miseré, verliest eine durchgesickerte Akte eines staatlichen Sicherheitsdienstes (BKA oder BND). Im Saal schlägt das ein wie eine Bombe! (Reiner Füllmich, politischer Gefangener #1 Ein abgekartetes Spiel). Die Akte wird als Beweismittel im Prozess zugelassen.
Kungelei zwischen Justiz und Politik?
10:40 Uhr – Reiner wirft dem Staatsanwalt, den Richtern und Templin Kungelei vor. Der Vorsitzende warnt ihn vor der Gefahr neuer Strafverfahren bei Anschuldigungen ohne Beweise. Darauf erwidert Reiner, er stütze sich auf einen unveröffentlichten Teil dieser BKA/BND-Akte, aus dem hervorgehe, dass ein Politiker, Marcel Luthe, das Umfeld von Marcel Templin und die sogenannten verschwörungstheoretischen Kreise unterwandert habe.
11:30 Uhr – Nun sagt Antonia Fischer aus. Sie spricht klar und gefasst. Sie erzählt von den Anfängen des Corona-Ausschusses. Sie beklagt, dass sie und Justus Hoffmann nicht über die Arbeit des Ausschusses informiert wurden. Sie fühlten sich ausgeschlossen. Sie sorgt sich um die Steuern, die der Corona-Ausschuss für die gesammelten Spenden (mehrere Millionen) dem Finanzamt schulden könnte.
11:45 Uhr – Antonia erklärt, Viviane habe ihr den Zugang zu den Konten des Corona-Ausschusses aus Gründen der Vertraulichkeit verweigert. Sie und Justus Hoffmann hätten bestimmte Aktionen von Reiner und Viviane nicht gebilligt. Reiner soll darauf geantwortet haben: „Entweder ihr haut ab, oder wir hauen ab und lassen das Dynamit hochgehen und euch mit den Trümmern zurück“. Sie fühlten sich daraufhin bedroht.
3. April, Vernehmung von Antonia Fischer
7:00 Uhr – Das Publikum kommt immer früher. Doch die Verhandlung findet wieder im kleinen Saal statt; manche müssen aus Platzmangel draußen bleiben. Die Stimmung ist sehr angespannt. Zum ersten Mal ist Viviane Fischer nicht anwesend.
9:20 Uhr – Reiner kommt in Handschellen herein. Die Menschen im Publikum stehen auf. Stille Ehrerbietung. Reiner sieht sie an, plötzlich streckt er die Handgelenke in einer Geste der Kraft und der Freiheit nach vorn und ruft: „Wir kriegen sie alle!“ Ich bekomme Gänsehaut.
9:30 Uhr – Alles läuft ab, als hätte es die BKA/BND-Enthüllungen vom Vortag nie gegeben. Das Gericht hält sich an die vorab festgelegte Tagesordnung. Nur der Staatsanwalt wirkt weniger selbstsicher, den Blick auf seinen Bildschirm geheftet.
9:45 Uhr – Vernehmung von Antonia Fischer, von den Richtern befragt zum Streit zwischen Reiner und der Kanzlei Templin über die Class Actions. Antonia Fischer sagt, sie wisse von nichts. Reiner zeigt mühelos, dass er die gesamte Arbeit der Anwerbung von Klägern für die Class Actions (internationale Sammelklagen) geleistet hat.
10:00 Uhr – Reiner rechtfertigt die von seiner Kanzlei in Rechnung gestellten Arbeitsstunden. Der Corona-Ausschuss wollte keine Angestellten einstellen, um die zahlreichen Anfragen zur Teilnahme an den Class Actions zu bearbeiten. Niemand beantwortete die E-Mails.
10:20 Uhr – Rechtsanwältin Wörmer fragt den Staatsanwalt, warum es kein Verfahren gegen J. Hoffmann, A. Fischer und M. Templin gibt. Reiner bleibt hartnäckig: Er sei von genau dem angezeigt worden, der das Geld gestohlen habe. Es ist eine erwiesene Tatsache, dass Marcel Templin mit Hilfe von J. Hoffmann und A. Fischer das Geld an sich gebracht hat, das zur Rückzahlung an den Corona-Ausschuss bestimmt war. Der Staatsanwalt sagt, er warte den Ausgang dieses Prozesses ab, um festzustellen, ob die Kanzlei Templin Gelder veruntreut habe. Missbilligendes Raunen im Saal.
10:45 Uhr – Befragung zu den Drohungen, die J. Hoffmann und A. Fischer erlitten haben wollen. Konkrete Drohungen? Antonia Fischer nennt „das „Dynamit“ », das Reiner angeblich hochgehen lassen wollte. Welches „Dynamit“? Vielleicht ein Dokumentarfilm, der sie und J. Hoffmann beschuldigte, zur kontrollierten Opposition zu gehören? Rechtsanwältin Wörmer empört sich: „Rechtfertigt diese Vermutung wirklich eine Strafanzeige?“ Antonia Fischer verweist auf Reiners Cowboy-Methoden; er soll bei anderer Gelegenheit auch gesagt haben: „Man wird die Winchester aus dem Schrank holen müssen“. Deshalb hätten sie Reiner für gefährlich erklärt.
Erpressung unter Partnern
11:30 Uhr – Reiner erklärt, A. Fischer und J. Hoffmann hätten Geld dafür verlangt, aus der Gesellschaft des Corona-Ausschusses auszuscheiden. Sie sollen jeweils 25 % des Gesellschaftsvermögens gefordert haben, obwohl die Satzung festlegt, dass ihnen nur ihre ursprüngliche Kapitaleinlage zustand, also 125 €.
12:00 Uhr - Antonia Fischer bestätigt, dass sie in ihrer Anzeige gegen Reiner die Staatsanwaltschaft aufgefordert hatten, Reiner öffentliche Äußerungen zu untersagen; andernfalls drohten sie und J. Hoffmann damit, ihre Anzeige zurückzuziehen, aus Angst vor Reiners medialer Ausstrahlung.
12:10 Uhr – Mittagspause.
13:10 Uhr - Reiners Verteidigung versucht, die Verbindungen zwischen den Klägern und dem Politiker Marcel Luthe zu entwirren, der verdächtigt wird, „den Widerstand“ im Auftrag der Nachrichtendienste unterwandert zu haben. Antonia gibt zu, mit Marcel Luthe befreundet zu sein und mit ihm über Reiner gesprochen zu haben.
13:20 Uhr – Reiner will einen Brief zur psychischen Gesundheit von Justus Hoffmann vorlegen. Er will zeigen, dass dieser genau das Profil hat, das die Polizeidienste in solchen Fällen ins Visier nehmen und manipulieren.
Unterwanderung und Manipulation?
13:25 Uhr – Das Gericht zieht sich zur Beratung über die Zulässigkeit dieses Briefes zurück und lässt Reiner während der Unterbrechung „in den Keller“ bringen.
14:05 Uhr – Das Gericht kehrt zurück: Die Prüfung des Briefes wird zugelassen, aber unter Ausschluss der Öffentlichkeit.
14:35 Uhr – Das Publikum darf zurückkehren. Fragen zu den Antisemitismus-Vorwürfen in der Anzeige gegen Reiner. Antonia Fischer erklärt, nicht genau zu wissen, was Reiner vorgeworfen wird.
14:40 Uhr – Reiner stellt klar, dass diese Vorwürfe mit einem Interview zusammenhängen, das er mit Vera Sharav geführt hat; darin sagte sie, Hitler sei nicht allein für die Shoah verantwortlich gewesen, er sei unter anderem von amerikanischen Bankiers finanziert worden. Ein Missverständnis sei durch eine unvollständige deutsche Übersetzung dieses englischsprachigen Interviews entstanden.
Antonia Fischer reagiert mit der Aussage, sie hätte in der Anzeige nicht von Antisemitismus gesprochen, wenn sie das gewusst hätte. Wütend fragt Reiner sie, ob sie weiß, was sie unterschreibt!
14:45 Uhr – Rechtsanwältin Wörmer fragt, wem das von Marcel Templin vereinnahmte Geld jetzt gehört und wie die Kläger es verwenden wollen. Antonia Fischer weicht aus. „Wir warten das Ende des Prozesses ab, dann können wir in Ruhe überlegen, was wir mit dem Geld machen“.
14:50 Uhr – Wütend empört sich Reiner: „Kurz gesagt: Ihr bekommt das ganze Geld und ich sitze im Gefängnis – ist das eure Abmachung?“
15:05 Uhr – Ende der Vernehmung von Antonia Fischer. Der nächste Verhandlungstag ist der 19. April, mit der Vernehmung des ersten Entlastungszeugen.
Der Prozess ist noch lange nicht zu Ende. Verhandlungstermine sind bis Mitte Mai 2024 angesetzt. Es bleibt zu klären, ob es für den einzigen verbliebenen Vorwurf (von ursprünglich 18) gegen Reiner Füllmich, die Untreue, echte Beweise gibt.
Kerstin Heusinger, KAro, Michel Caulea
Chapô und Illustration von BAM!
Zeichnungen von Kerstin Heusinger
[1] Reiner Füllmich ist ein in Deutschland und Kalifornien zugelassener Rechtsanwalt, spezialisiert auf Verbraucherschutz, mit beachtlichen Siegen gegen Konzerne wie Deutsche Bank, Volkswagen, Kühne+Nagel. Seit Juli 2020 ist er eine Symbolfigur des weltweiten Widerstands gegen die „Plandemie“. Zusammen mit Viviane Fischer hat er den Corona-Untersuchungsausschuss und die Grand Jury – das Volksgericht der öffentlichen Meinung gegründet, um die Wahrheit über die Covid-Krise und ihre totalitären Grundlagen aufzudecken. Die live übertragenen Anhörungen von mehr als 150 internationalen Experten haben unter anderem dazu beigetragen, die Schuld von Verantwortlichen wie Anthony Fauci, Bill Gates oder Tedros Ghebreyesus, dem Generaldirektor der WHO, zu belegen…
[2] Vor 2020 war Viviane Fischer eine brillante und unkonventionelle Anwältin, die zugleich einen zweiten Beruf ausübte: Hutmacherin, international bekannt unter ihrem Künstlernamen Rike Feurstein. Im März 2020, gleich zu Beginn des Lockdowns, war sie eine der Ersten, die die Krise als „weltweiten Staatsstreich“ bezeichnete. Sofort entstand die Idee einer Antwort in Form von Petitionen, Volksbewegungen und einem medienwirksamen Untersuchungsausschuss. So entstanden aus dieser Idee und ihrer Begegnung mit Reiner Füllmich der Corona-Untersuchungsausschuss und dann die Grand Jury – das Volksgericht der öffentlichen Meinung. Nach zwei Jahren intensiver Ermittlungen und Anhörungen, die in die ganze Welt übertragen wurden, machte Viviane ihre Meinungsverschiedenheiten mit Reiner öffentlich und bremste damit den Schwung des Corona-Ausschusses und der Grand Jury.
[3] Justus Hoffmann und Antonia Fischer sind zwei Anwälte, die an den Anfängen des Corona-Untersuchungsausschusses beteiligt waren. Ihr Engagement erscheint gering im Vergleich zu dem von Reiner und Viviane. Sie tauchen in den ersten per Video übertragenen Anhörungen des Corona-Ausschusses auf, stellen manchmal eine Frage, sind oft still. Später ziehen sie sich zurück und nehmen nicht mehr an den Anhörungen des Corona-Ausschusses teil. Sie und ihr Kollege Marcel Templin, mit dem sie in derselben Kanzlei arbeiten, haben 2023 Anzeige gegen Reiner Füllmich erstattet. Templins Rolle am Rande des Corona-Ausschusses wirft noch zahlreiche Fragen auf.
[4] Antonia Fischer und Justus Hoffmann sind zwei Anwälte, die an den Anfängen des Corona-Untersuchungsausschusses beteiligt waren. Ihr Engagement erscheint gering im Vergleich zu dem von Reiner und Viviane. Sie tauchen in den ersten per Video übertragenen Anhörungen des Corona-Ausschusses auf, stellen manchmal eine Frage, sind oft still. Später ziehen sie sich zurück und nehmen nicht mehr an den Anhörungen des Corona-Ausschusses teil. Sie und ihr Kollege Marcel Templin, mit dem sie in derselben Kanzlei arbeiten, haben 2023 Anzeige gegen Reiner Füllmich erstattet. Templins Rolle am Rande des Corona-Ausschusses wirft noch zahlreiche Fragen auf.