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Antwort von Dr. Colignon auf die Studie, die Hydroxychloroquin 17.000 Todesfälle zuschreibt

Antwort von Dr. Colignon auf die Studie, die Hydroxychloroquin 17.000 Todesfälle zuschreibt

Zum neuen Jahr haben die RTBF und La DH eine alte Studie ausgegraben, die BAM bereits im Juli 2023 widerlegt hatte[1] und die fast 17.000 Todesfälle dem Hydroxychloroquin zuschreibt.
Wir veröffentlichen hier die Antwort von Dr. Colignon

 

Sehr geehrter Kollege LEGA,

ich hatte Gelegenheit, die Metaanalyse über die Gefahren von Hydroxychloroquin zur Behandlung von SARS-CoV-2-Infektionen zu lesen, die Sie gerade veröffentlicht haben und die in den Medien weltweit großes Aufsehen erregt.

Indem Sie in dieser Analyse Daten aus der Literatur zusammentragen und miteinander verknüpfen, bestimmen Sie spekulativ die Zahl der iatrogenen Todesfälle, die in 8 Industrieländern dem Hydroxychloroquin zuzuschreiben sind…

Wenn ich Ihr Vorgehen richtig verstanden habe, ist die Abfolge der Rechenschritte folgende:

1. die Gesamtzahl der in diesem Zeitraum wegen Covid hospitalisierten Patienten in jedem der 8 Länder bestimmen (N).

2. für jedes Land den Anteil der Patienten bestimmen, die Hydroxychloroquin erhalten haben (R)

3. daraus die absolute Zahl der wegen Covid hospitalisierten und mit Hydroxychloroquin behandelten Patienten ableiten (R*N)

4. das Odds Ratio der iatrogenen Sterblichkeit durch Hydroxychloroquin anhand spezifischer Studien bestimmen (OR)

5. daraus für jedes Land die Zahl der iatrogenen Todesfälle infolge der Verabreichung von Hydroxychloroquin ableiten, durch Kombination des Odds (OR/umgerechnet 1-1/1,11, also 0,09909) mit R*N

Als Belgier bin ich über die Zahlen gestolpert, die Sie für mein Land erhoben haben.

 1. N beträgt laut den Zahlen von Sciensano tatsächlich 19.644. Das ist korrekt.

2. R wird mit 0,51 angegeben, entsprechend den Zahlen der Studie von Nicolas Dauby und Lucy Catteau mit dem Titel Low-dose Hydroxychloroquine therapy end mortality in hospitalised patients with Covid-19

Es handelt sich um eine prospektive Studie, in der der Anteil von 0,51 methodisch schlüssig ist, auch wenn es keine RCT-Studie ist. Dieses Verhältnis ist korrekt, aber es auf alle Krankenhäuser Belgiens hochzurechnen, die in keiner Weise am Protokoll der Studie von Sciensano/CHU Saint-Pierre beteiligt waren, ist ein grober Fehler, den man nicht einmal einem schlechten Medizinstudenten verzeihen würde.

3. Die Zahl (R*N) von 10.018 behandelten Patienten ist daher zwangsläufig zu hoch.

4. Das Odds Ratio auf Grundlage von Studien zu bestimmen, in denen tödliche Dosen Hydroxychloroquin (2.400 mg/Tag) verabreicht wurden – was Sie in Ihrer Studie einräumen –  und dieses abwegige Odds auf eine Studie anzuwenden, in der die verwendeten Dosen 4- bis 6-mal niedriger sind, ist eine Vermengung, die eines Wissenschaftlers unwürdig ist.

Ihrer Argumentation folgend gehen Sie de facto davon aus, dass in der Serie von Catteau/Dauby, die 4.542 mit Hydroxychloroquin behandelte Krankenhauspatienten zählt, unter denen es 804 Todesfälle gab, 80 davon  (0,09909 * 804) auf Hydroxychloroquin zurückgehen. Durch eine bis ins Unsägliche getriebene simple lineare Hochrechnung müsste Belgien Ihrer Meinung nach 240 iatrogene Todesfälle durch Hydroxychloroquin beklagen.

Nun kann man in dieser Studie von Catteau und Dauby, auf die Sie sich berufen, lesen: Our study provides further support to the claim that this regimen is not associated with increased short term risk of cardiotoxicity and mortality in the hospital setting and in well‑selected COVID‑19 patients. Accordingly, as of 17 June 2020, the Federal Agency for Medicines and Health Products had registered in total eight reports of adverse reactions suspected to be associated with HCQ use for the treatment of COVID‑19 in Belgium, among which were three cases of cardiac toxicity (all having received concomitant medication), and no reported deaths.

Meine Frage folgt unmittelbar: Wer irrt sich, wer lügt, wer hält seine Kollegen zum Narren? Catteau und Dauby, die erklären, keinerlei Todesfälle durch Kardiotoxizität infolge der Verabreichung von Hydroxychloroquin gehabt zu haben, oder Sie, die behaupten, sie hätten durch ihre Nachlässigkeit 80 Menschen getötet?

Nein, Herr Lega, Nicolas Dauby und Lucy Catteau haben nicht 80 Menschen getötet... sie haben viele gerettet, und wenn jemand wegen fahrlässiger Tötung ins Gefängnis gehen muss, dann Sie und nicht sie!

Sehr geehrter Kollege,

Ihre Analyse ist ein Haufen Unsinn, der unserem Berufsstand Schande macht und nur aus Inkompetenz oder Unredlichkeit stammen kann. Sie können sich nicht vorstellen, wie sehr ich mir wünschte, mich zu irren und in Ihrer Antwort Argumente zu finden, die mir unrecht geben... denn ich würde mich Ihnen zu Füßen werfen und Sie um Verzeihung bitten.

Alain Colignon

Gefäßchirurgie

 


Die in diesem Brief geäußerten Meinungen liegen allein in der Verantwortung ihres Verfassers und geben nicht unbedingt die Meinung von BAM! wieder.

Chapô und Illustration von BAM!

[1] Ein neuer Betrug, um Hydroxychloroquin zu beschuldigen?

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