Affenpocken zur gesundheitlichen Notlage von internationaler Tragweite erklärt
Am Samstag, dem 23. Juli, wurden die Affenpocken zu einer gesundheitlichen Notlage von internationaler Tragweite erklärt. Doch nicht der Notfallausschuss hat dies entschieden, sondern der Generaldirektor der WHO, Tedros Adhanom Ghebreyesus, höchstpersönlich.
Am Donnerstag, dem 21. Juli, trat der Notfallausschuss der Internationalen Gesundheitsvorschriften (IGV) zusammen, um zu entscheiden, ob die Affenpocken eine gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite (PHEIC)darstellen. Bei dieser Sitzung erzielte der Expertenausschuss keinen Konsens.
Der Ausschuss war einen Monat zuvor zusammengetreten und hatte damals festgestellt, dass das Auftreten der Krankheit keine gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite darstellt[1].
PHEIC news
Zur Erinnerung: Gemäß den IGV kann die WHO eine gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite (PHEIC)ausrufen. Die PHEIC löst die Anwendung von Maßnahmen aus, die sowohl Reisen als auch Behandlungen und Impfstoffe betreffen, sowie weiterer Maßnahmen, die die WHO für notwendig erachtet[2].
Die Ausrufung einer gesundheitlichen Notlage von internationaler Tragweite verleiht der Lage politisches Gewicht und Dringlichkeit und macht sie für die von den Staaten bereitgestellten Budgets vorrangig. Der Generaldirektor ist der Ansicht, dass eine Impfkampagne die Ausbreitung der Krankheit kontrollieren kann[3]. Laut Dr. Hugh Adler von der Liverpool School of Tropical Medicine schließt sich „das Zeitfenster“ für eine konzertierte Impfkampagne. Daher diese Erklärung[4].
Affenpocken: eine echte Gefahr?
Bei der Sitzung im Juni äußerte Tedros Adhanom Ghebreyesus seine Besorgnis über die Schwere der fortschreitenden Krankheit, betrachtete sie aber noch nicht als Notlage. Als er die Zahl der Fälle steigen sah, berief er den Expertenausschuss erneut ein und kam zu dem Schluss: „Wir haben einen Ausbruch, der sich rasch über die ganze Welt ausbreitet.“[5]
Es gibt viele Unbekannte rund um diese Krankheit, die an sich nicht schwer ist[6] [7]. Die Affenpocken haben zwischen 0 und 5 gemeldete Todesfälle verursacht[8] und weltweit etwa 17 000 Fälle seit ihrer kürzlichen Erklärung[9]. Die Krankheit heilt nach einigen Wochen von selbst ab[10].
Wenn die Entscheidung über eine Notlage nicht einstimmig ist, besteht dann wirklich eine Notlage? Und wenn sich der Generaldirektor nicht auf die Stellungnahme eines Expertenausschusses stützen kann, ist dieser Ausschuss dann mangelhaft? Man kann sich auch fragen, ob die WHO noch ihre volle Legitimität besitzt, wenn ihre Entscheidungen von einem einzigen Mann und fernab jeder wissenschaftlichen Realität getroffen werden.
Von Katiouchka, Journalistin und Nordamerika-Korrespondentin bei BAM!
[1] WHO Director-General’s statement at the press conference following IHR Emergency Committee regarding the multi-country outbreak of monkeypox - 23 July 2022
[2] Wissen ist Macht: der Pandemievertrag der WHO und andere „internationale Instrumente“
[3] Monkeypox declared a global emergency by World Health Organization - MarketWatch
[4] expert reaction to WHO declaring the global monkeypox outbreak a public health emergency of international concern (PHEIC) | Science Media Centre
[5] WHO Calls Monkeypox A Global Health Emergency
[6] WHO Director-General’s statement at the press conference following IHR Emergency Committee regarding the multi-country outbreak of monkeypox - 23 July 2022
[7] WHO Calls Monkeypox A Global Health Emergency
[9] 2022 Monkeypox Outbreak Global Map - Poxvirus
[10] The Guardian - What is monkeypox and how worried should we be?
Bildquelle:
Zugeschnittenes Bild auf Grundlage des Originalbilds von Patrick Rolands auf AdobeStock