Blue Orchid: die Phantomübung der Kommission

Blue Orchid: die Phantomübung der Kommission

Der Abgeordnete Gerald Hauser richtet im Europäischen Parlament eine Anfrage nach der anderen zu Blue Orchid, einer von der Kommission im Februar 2019 organisierten Pandemieübung. Von Brüssel bestätigt, bleibt sie dennoch von einem dichten Geheimnis umgeben.

Am 11. März 2025 richtet Gerald Hauser, österreichischer Europaabgeordneter der FPÖ, eine offizielle Anfrage an die Europäische Kommission. Seine Frage ist klar: Hat die Union oder eine ihrer Agenturen an Pandemie-Simulationsübungen teilgenommen, wie etwa an dem berühmten Event 201, das im Oktober 2019 in New York stattfand, nur wenige Wochen vor dem Auftreten von Covid‑19[1]?

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Am 30. Juni 2025 antwortet der EU-Gesundheitskommissar. Die Kommission hat in Zusammenarbeit mit dem Europäischen Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) tatsächlich am 8. Februar 2019 eine Übung namens Blue Orchid durchgeführt, also acht Monate vor Event 201, einer in New York organisierten amerikanischen Simulation einer Coronavirus-Pandemie. Erklärtes Ziel war es, die Krisenmanagementmechanismen und die Kommunikationskanäle zwischen den Institutionen zu testen[2].

Doch über diese offizielle Bestätigung hinaus bleibt das Rätsel bestehen. Es gibt keinerlei öffentliche Dokumentation: Weder ein Bericht noch eine Zusammenfassung noch ein Archiv beschreiben das Szenario, die beteiligten Akteure oder die Schlussfolgerungen. Die Intransparenz ist total. Im Gegensatz zur üblichen Praxis, bei der selbst interne Übungen ein Mindestmaß an Kommunikation nach sich ziehen, erscheint Blue Orchid als regelrechtes institutionelles schwarzes Loch.

Dieses Fehlen wirft berechtigte Fragen auf. Welche Pandemie hatte man bereits 2019 ins Auge gefasst? Welche konkreten Risiken wurden vorhergesehen? Und vor allem: Warum diese Elemente vertraulich halten, wenn das erklärte Ziel die gemeinsame Vorbereitung war?

Am 29. Juli 2025 bringt Gerald Hauser die Angelegenheit mit einer neuen schriftlichen Anfrage erneut aufs Tapet[3]. Diesmal verlangt er konkrete Angaben: das genaue Szenario, die Liste der teilnehmenden Institutionen, die Schlussfolgerungen und die Gründe für das völlige Fehlen öffentlicher Informationen. Bis heute hat die Kommission noch immer nicht geantwortet. Das Schweigen hält an, und mit ihm wächst das Unbehagen.

Die Affäre Blue Orchid geht weit über eine bloße Verwaltungspanne hinaus. Sie wirft eine grundlegendere Frage auf: Wie ist zu erklären, dass im Februar 2019, weniger als ein Jahr vor dem weltweiten Ausbruch von Covid‑19, eine Pandemieübung stattfand? Ist dies das Zeichen einer umfassenderen Planung oder ein beunruhigender Zufall, über den die Institutionen nicht sprechen wollen?

Zu einer Zeit, in der die Kommission bereits durch PfizerGate und die intransparente Handhabung der Impfstoffverträge geschwächt ist, kann die fehlende Transparenz rund um Blue Orchid den Verdacht nur nähren.

Schließlich drängt sich eine letzte Frage auf: Warum kommen die einzigen Stimmen, die dieses Thema aufgreifen, von Parteien, die am Rand des politischen Spektrums eingeordnet werden? Liegt es daran, dass die Abgeordneten der etablierten Parteien, zu sehr in die institutionellen Gleichgewichte eingebunden, es nicht wagen, unbequeme Fragen zu stellen? Dieses anhaltende Schweigen ist keine bloße Vorsicht mehr, sondern kommt einer Form komplizenhafter Naivität gleich. Und wird nicht letztlich die Verbreitung durch als „extrem“ etikettierte Parteien dazu benutzt, die von ihnen ans Licht gebrachten, durchaus faktischen Elemente von vornherein zu diskreditieren?

Marcan für BAM!

[1] Preparedness for the COVID‑19 pandemic

[2] Answer given by Mr Várhelyi on behalf of the European Commission

[3] ‘Blue Orchid’ exercise

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